Acouvero
Herunterladen
VERTIEFUNG · 10 MIN

Warum dein
Raum die
Musik, die du
hörst, neu schreibt.

Lautsprecher leisten die halbe Arbeit; den Rest erledigt dein Raum. Er entscheidet, welche tiefen Frequenzen zwischen 20 und 500 Hz überleben, wie stark die Reflexionen zwischen 4 und 80 ms das Klangbild verschmieren und wie lange der Raum nach jedem Ton noch nachhallt.

Dieser Artikel erklärt das alles ohne Fachchinesisch — und wie Acouvero daraus eine Handvoll konkreter Schritte macht.

KAP · 01

Wie erreicht Schall
dein Ohr?

TL;DR

Deine Lautsprecher senden einen Schall — du hörst Dutzende: die direkte Version plus dutzendweise Kopien, die von Wänden, Boden, Decke, Möbeln und Fenstern zurückgeworfen werden — alle übereinander.

Stell dir deine Lautsprecher als Stein vor, der in einen Teich fällt. Wellen breiten sich vom Aufschlagpunkt aus. Ohne Hindernis siehst du saubere konzentrische Kreise. Aber dein Wohnzimmer ist kein Teich — es hat Wände. Wellen prallen ab, kommen zurück und stapeln sich auf den nächsten. Was du siehst, sind keine sauberen Kreise mehr — sondern ein Knäuel.

Dein Ohr funktioniert ähnlich. Der „Direktschall" der Lautsprecher erreicht dich nach 3–10 ms; in den 4–80 ms danach folgen die Erstreflexionen — Kopien, die von den nächsten Wänden und Möbeln zurückkommen. Danach folgt die Nachhallfahne: Hunderte von Reflexionen, die sich zu einem leisen Summen schichten, das 200–800 ms anhalten kann, bis es verklingt.

Dein Gehirn behandelt diese Reflexionen merkwürdig: Unter 5 ms hörst du sie nicht als eigenständig — sie färben nur die Klangfarbe; zwischen 4 und 30 ms verschmilzt das Gehirn sie mit dem Direktschall zu einer Quelle, doch die Position driftet; erst ab 50 ms hörst du tatsächlich ein „Echo". Acouvero kümmert sich um den mittleren Bereich — Reflexionen, die du nicht hörst, die aber alles, was du fühlst, völlig verändern.

Analogie Stell dir vor, du zündest eine Kerze im Raum an. Das direkte Licht lässt dich sehen, doch das von den Wänden reflektierte Licht bestimmt die Stimmung. Streich die Wände schwarz oder weiß — die Kerze bleibt gleich, doch das, was du siehst, ist komplett anders.
IMPULSE RESPONSE · TIMELINE DIRECT + EARLY + LATE DIRECT 0 MS EARLY REFLECTIONS 4 MS 28 MS LATE REVERBERATION 500 MS DER BEREICH, DER ACOUVERO INTERESSIERT AMP 0
DIREKTSCHALL
0–3ms · direkt
ERSTREFLEXIONEN
4–80ms · früh
NACHHALL
80–800ms · Fahne
KAP · 02

Drei Dinge,
die ein Raum tut.

TL;DR

Verstärken: einige Bässe „rasten ein" und werden um 10+ dB angehoben.
Verschmieren: Reflexionen kämpfen mit dem Direktschall — das Klangbild driftet.
Nachziehen: Der Ton endet, der Raum nicht.

Voneinander unabhängig — daher einzeln messen und einzeln behandeln.

Erstens: Verstärken (Raummoden). Unter 300 Hz haben Schallwellen ähnliche Größenordnung wie der Raum selbst — ein 3,5 m breites Wohnzimmer entspricht etwa einer halben Wellenlänge von 49 Hz. Bei dieser Frequenz pendelt der Schall zwischen den Wänden und überlagert sich selbst — an manchen Stellen um 8–15 dB verstärkt, an anderen ausgelöscht. Deshalb dröhnt der Bass auf einem Sessel ins Mark und ist einen Meter weiter komplett verschwunden.

Zweitens: Verschmieren (Erstreflexionen). Schall kehrt fast augenblicklich von Wänden, Decke und Boden zurück. Die frühesten Kopien (4–30 ms) verschmilzt dein Gehirn mit dem Direktschall zu einer einzigen Quelle — doch die Position driftet. Eine Stereoanlage sollte die Stimme exakt mittig zwischen den Boxen platzieren; du hörst sie womöglich leicht links, mit einem Halo. Das sind die Erstreflexionen am Werk.

Drittens: Nachziehen (Nachhallzeit / RT60). Wenn ein Schall endet, verschwindet das Reflexionsfeld nicht — es klingt ab. Der Fachbegriff dafür ist RT60: wie lange die Energie braucht, um 60 dB zu fallen. Schlafzimmer: 0,3–0,4 s. Teppichbelegte Wohnzimmer: 0,4–0,6 s. Hart eingerichtete offene Räume: 0,8–1,2 s. Ist RT60 zu lang, schiebt sich die Fahne einer Note in den Einsatz der nächsten — und alles verschmiert.

Warum 60 dB Das menschliche Gehör hat ungefähr 60 dB Dynamikumfang — fall um den Faktor 1000 unter den Originalpegel, und du hörst praktisch nichts mehr. RT60 wurde 1922 von Wallace Sabine vorgeschlagen, dem Gründervater der Bauakustik. Seit hundert Jahren im Einsatz.
THREE SYMPTOMS · COMPARED SCHEMATIC 01 · BASS BOOM 0 +10 +9 DB @ 49 HZ 20 HZ 500 HZ FREQUENCY RESPONSE 02 · BLURRED IMAGING +5 MS REFLECTION PATHS 03 · MUDDY DECAY RT60 = 0.78 S 0 MS 1000 MS DECAY ENVELOPE
KAP · 03

Wie misst
man das alles?

TL;DR

Einen sauberen Sweep von 20 Hz auf 20 kHz abspielen, mit dem iPhone aufnehmen und dann per Mathematik (Entfaltung) aus der Aufnahme herausziehen, was der Raum getan hat.

Es gibt drei klassische Messverfahren: Impuls (ein Pistolenschuss), Weißes Rauschen (ein „Schhh"), Sweep (langsamer Anstieg von tief nach hoch). Die ersten beiden sind schnell, aber empfindlich — die Klimaanlage springt an und die Daten sind hin. Der Sweep ist umgekehrt: langsamer (60 s), aber mit exzellentem Signal-Rausch-Verhältnis bei jeder Frequenz — ein rumpelnder Aufzug bringt ihn nicht aus dem Takt. Deshalb nutzt Acouvero den Sweep.

Die Mathematik heißt Log-Sweep-Entfaltung (Farina, 2000). Einfach gesagt: Du kennst, was die Lautsprecher abgespielt haben (deinen Sweep), du kennst, was du aufgenommen hast (Sweep + Raum); teil das eine durchs andere — was übrig bleibt, ist die reine Raumantwort. Der Fachbegriff ist Impulsantwort (Impulse Response, IR).

Hat man die IR, ist der Rest reine Mathematik:

  • FFT der IR → Frequenzgang, der zeigt, welche Frequenzen verstärkt oder verschluckt wurden
  • Reflexionspeaks in den ersten 80 ms der IR finden → Erstreflexionskarte, die zeigt, von welcher Wand jeder Rückwurf kommt
  • Rückwärts­integration der IR-Hüllkurve → RT60-Abklingzeit
Warum iPhone Seit dem iPhone 12 ist das eingebaute Mikrofon zwischen 80 Hz und 18 kHz omnidirektional auf ±1,5 dB linear. Wir haben für jede Generation eine Kalibrierungskurve; Acouvero wendet sie automatisch an. Profi-Messmikrofone (z. B. Earthworks M30) lassen sich per USB-C oder Lightning anschließen und legen die Genauigkeit nochmals zu.
DECONVOLUTION · LOG SINE SWEEP FARINA · 2000 01 · INPUT · Der Sweep, den du abspielst 20 HZ → 20 KHZ · 60 S 02 · RECORDED · Was das Mikro hört SWEEP × ROOM = ? ÷ INPUT 03 · IMPULSE RESPONSE · Der „Fingerabdruck“ des Raums IR — der Startpunkt jeder Analyse
ABTASTRATE
48kHz
SNR · SIGNAL-RAUSCH
80dB+
LOKALE VERARBEITUNG
0Byte hochgeladen
KAP · 04

Die Reihenfolge
der Korrekturen zählt.

REIHENFOLGE-REGEL

Erst verschieben, dann absorbieren, zuletzt EQen.
Verdrehst du die Reihenfolge, gibst du Geld für schlechtere Ergebnisse aus.

Schritt 1: verschieben (Aufstellung, 0 €). Tieffrequente Stehwellen werden vor allem dadurch bestimmt, wo die Lautsprecher stehen und wo du sitzt. Jeder Raum hat „Bass-Totzonen" (Auslöschung) und „Bass-Hotspots" (Verstärkung). Finde eine bessere Stelle, und ein Großteil des Problems verschwindet. Acouvero berechnet ein Gesamtoptimum — meist eine Verschiebung um 20–60 cm, keine Renovierung nötig.

Schritt 2: absorbieren (Akustikmaßnahmen, 30–3 000 €). Nach dem Verschieben sind die Erstreflexionen noch da. Jetzt gezielt Absorption an den Reflexionspunkten anbringen — die Rückwürfe im Fenster 4–80 ms. Acouvero berechnet die exakten Positionen (Spiegelmethode zwischen Wänden); ein 60×60-cm-Absorber reicht meist aus — die ganze Wand muss nicht verkleidet werden.

Schritt 3: EQ (0 €, falls du eine digitale Quelle hast). Sind die beiden ersten Schritte erledigt, lassen sich die verbliebenen tieffrequenten Stehwellen (≤ 300 Hz) per EQ angehen. Wichtig: nur das Restliche, nur im Bassbereich, nur stehwellen­förmige Peaks. EQ kann weder Erstreflexionen noch Nachhallzeit beheben.

Warum die Reihenfolge zählt Viele beginnen mit EQ und glätten den Bass. Der Haken: Die gemessene Kurve gilt für deine aktuelle Position — einen Meter verschieben und sie ist eine andere, dein EQ damit hinfällig. Erst die physische Aufstellung festzurren; dann bleibt EQ sinnvoll.
FIX ORDER · MOVE → PANEL → EQ EFFECTIVENESS PER COST 01 · MOVE · 0 € BEFORE AFTER Löst: 60 % der tiefen stehenden Wellen 02 · PANEL · Dutzende bis Tausende ¥ BEFORE AFTER Löst: 80 % der Erstreflexionen 03 · EQ · 0 € (mit DSP) BEFORE AFTER Löst: 100 % des restlichen Bass

Das „%" jedes Schritts ist sein Anteil an der jeweiligen Problemklasse: Möbel rücken erledigt rund 60 % des Bass-Moden-Chaos, der Rest wartet auf Absorber und EQ. Alle drei zusammen machen aus „3-Punkte-Lautsprecher, 5-Punkte-Raum" ein „5-Punkte-Lautsprecher, 8-Punkte-Raum".

iOS · App Store

Fertig gelesen?
Jetzt deinen Raum messen.

Das war's mit der Theorie. Der Rest: iPhone an deinen üblichen Hörplatz, einmal tippen, und 60 Sekunden später sehen, was du wirklich hörst.